Osteopathie – Leben in Gesundheit

Laufend die Welt erkunden

Fremde Landschaften und Orte


Erste Blüten im Frühjahr

Auf Reisen habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, morgens die Welt laufend zu erkunden. So befriedige ich mein Bedürfnis nach Bewegung und lerne gleichzeitig fremde Orte, Städte und Landschaften kennen. Voller Erwartung mache ich mich auf den Weg und hoffe eine geeignete und interessante Strecke zu finden. Wohin wird es mich führen, was werde ich erleben? Ich fühle mich bereit für Neues, bin offen für Begegnungen mit Mensch, Tier und Natur. Vom ersten Meter an präge ich mir Abzweigungen und Wegkreuzungen ein. Schließlich benötige ich diese Anhaltspunkte, um wieder zurück zum Ausgangspunkt zu finden. Das Laufen in unbekannten Gegenden, weckt meine Lust Neues zu erleben. Mit offenen Sinnen nehme ich Charakteristik und Besonderheiten des jeweiligen Gebietes und der dort lebenden Menschen wahr. Die Bewegung beim Laufen gibt mir das Gefühl, dass sich das Wahrgenommene fest in mein Körpergedächtnis einprägt.

Ein Baustil der mir gefällt

Besuch in Tübingen


Hölderlinturm in Tübingen

Vor einigen Wochen besuchte ich meinen Freund Martin in Tübingen, einer kleinen Universitätsstadt in Baden – Württemberg. Frühmorgens um 6 : 30 Uhr lief ich stadtauswärts los. Raureif lag noch auf den Wiesen, und bald schon ließ ich die letzten Häuser hinter mir. Vor mir öffnete sich ein weites Tal inmitten einer von Hügeln geprägten Landschaft. Der eingeschlagene Weg endete nach wenigen Metern an eine Hecke. Ich kehrte um und bog stattdessen in einen Feldweg entlang eines Baches ein. Die Ammer, so der Name des Baches, hatte ich bereits am Vortag bei einem Spaziergang durch Tübingen kennengelernt. Martin hatte mir die Stadt gezeigt, mir reizvolle Winkel erschlossen, die ich ohne persönliche Stadtführung nicht entdeckt hätte. Berührt von der morgendlichen Stille, dem Raureif unter den Füßen und dem wolkenlosen Tag, ging nun die Sonne auf und begann mir sogleich den Rücken zu wärmen.

Den Sonnenaufgang im Rücken

Das Ziel im Blick

Ich richtete meinen Blick nach vor und sah in der Ferne, eine schon von weitem einladend aussehende Kapelle auf einem Hügel stehen. Meine Beine fühlten sich mit jedem Schritt wärmer, kräftiger und lebendiger an. Wohlgefühl durchströmte meinen Körper und jeder Atemzug befreite meine Lungen mehr und mehr von der Steifheit, die sich durch die Ruhe der Nacht aufgebaut hatte. Spielerisch kam mir der Bach entgegen, mit allen Sinnen nahm ich die fremde Umgebung wahr. Anzeichen des vergangen Winters und des beginnenden Frühjahrs prägten Vegetation und Geräuschkulisse. Die besondere Art von Vogelgezwitscher im Frühling erfüllte die Luft.

Ein mögliches Ziel

Eine besondere Begegnung

Während ich dem angenehmen Gefühl in meiner Brust nachspürte, bemerkte ich ein Tier in einem vor mir liegenden Feld. Kurz erschrak ich, weil ich sofort an einen herrenlosen Hund denken musste, der Gefahr bedeuten könnte. Augenblicklich wurde ich vorsichtig. Ein paar Schritte weiter, hob das Tier plötzlich den Kopf und lief in Richtung eines kleinen Waldstücks davon. Jetzt erkannte ich am Schwanz des Tieres, dass es sich um einen Fuchs handelt. Einen Fuchs auf freiem Felde zu erleben ist ein seltenes Schauspiel, mein schon vorhandenes Glücksgefühl steigerte sich nochmals. „Süße Medizin“ nennen die Indianer Nordamerikas das Geschenk der Tiere, welches sie durch ihr natürliches Sein für uns Menschen bereithalten. Wenn wir uns dafür öffnen, können uns Tiere tief in unseren Herzen berühren und zu emotionaler Gesundung beitragen. Rasch versuchte ich mir die Bewegungen des Fuchses einzuprägen, bevor er wenige Augenblicke später im Unterholz eines nahen Waldstücks verschwunden war.

Die Kapelle am Hügel zieht mich an

Ich lief an umgestürzten Bäumen vorbei, schrieb diese dem im vergangenen Winter wütenden Wind zu. Dann visierte ich endgültig die Kapelle am Hügel an, wählte sie als Ziel meines Laufes aus. Ich versuchte einzuschätzen wie lange die Strecke wohl sein würde. Nicht all zu spät wollte ich wieder bei meinem Freund und seiner Familie zurück sein. Die Kapelle kam näher, und wenig später war ich in der Lage abzuschätzen, dass sie als Ziel für meinen morgendlichen Lauf gerade richtig weit entfernt gelegen ist. Immer wieder schweifte mein Blick über die einladende Landschaft, in der Ferne machte ich Dörfer und eine kleine Stadt aus. Wie immer beim Laufen, versuchte ich mich so geschmeidig und kraftsparend wie möglich fortzubewegen, ein Tempo zu wählen, das mich nicht anstrengt, mit dem ich längere Strecken mühelos bewältigen kann. Wiesen und Felder lagen an meinem Weg, auch Obstgärten, die zu Frühlingsbeginn noch dabei waren, den vergangenen Winter abzuschütteln.

Das Ziel vor Augen

Während die Kapelle näher kam, änderte sich die Charakteristik meiner Laufstrecke. Mein Weg führte mich nun den Hügel hinauf, mittlerweile hatte die Sonne den Raureif schon geschmolzen und in Wasser verwandelt. Der Untergrund war nass. Immer näher kam die Kapelle, die letzten Schritte musste ich steil den Hang hinauf laufen, die Lunge fühlte sich wie zu klein an. Zusätzlich wurden die Beine schwer, und ich musst all meine Willenskraft aufwenden, um nicht ins Gehen zu verfallen, sondern laufend die letzten Meter den Hügel hinauf bewältigen zu können. Ich erreichte das Plateau mit der nun vor mir aufragenden Kapelle, eine neue Facette einer wunderschönen Landschaft öffnet sich vor meinen Augen. 

Sankt-Remigius-Kapelle / Wurmlinger-Kapelle

Weinbau

Weingärten schmiegten sich zu meinen Füßen an die gegenüberliegenden Südhänge des Hügels. Die Sonne stand schon ein wenig höher am Himmel, beschien bereits die Reben und wärmte mein Gesicht. Die Charakteristik der Landschaft hatte sich nicht geändert, in der Ferne wechselten sich immer noch Hügel und Täler ab. Überrascht von der Wirkung der Weingärten auf mein Gemüt, ergriff mich pure Freude, die körperliche Anstrengung der letzten Meter den Berg hinauf war verflogen. Ich hatte nur noch Augen für Symmetrie und Ästhetik der Weingärten und stellte mir vor, wie ein Leben inmitten dieser Landschaft in einem Weinbaudorf wohl verlaufen könnte.

Weinbaudorf in der Nähe von Tübingen

Erinnerung an die Volksschulzeit

Bei der Kapelle angekommen, begrüßten mich Tafeln, auf denen Volkslieder mit Text und Melodie abgebildet waren. Ein Lied erinnerte mich an meine Volksschulzeit, damals sangen wir es gemeinsam in der Klasse. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir an, dass es wieder Zeit war umzukehren. Ich entschied mich zurück einen anderen Weg zu wählen. Das Lied klang in meinem Inneren nach und begleitete mich die ersten Kilometer meines Rückweges. In der Ferne sah ich morgendliche Spaziergänger und erblickte bei genauerem Hinsehen Hunde in ihrer Begleitung. Der Geruch von feuchter Erde und verfaultem Laub stieg mir in die Nase. Immer weiter lief ich den Hügel hinunter um schließlich wieder an den Bach zu gelangen, welcher mich schon in Richtung der Kapelle geführt hat.

Begegnung mit Mensch und Tier

Das Lied trug ich mit zurück, solange bis ich einem weiteren morgendlichen Läufer mit Hund begegnete. Wir begrüßten uns und er erklärte mir, dass es sich entlang des Baches um die hier sogenannte Biberstrecke handelt. Tatsächlich, bei näherem Hinsehen bemerkte ich, dass die umgestürzten Bäume von Bibern angenagt waren, und der Wind dann nur wenig Mühe hatte, sie zu fällen. Der Läufer fragte mich auf Grund meines Dialektes nach meiner Herkunft. Wir wechselten einige Worte, dann musste ich weiter, um meine Freunde nicht mit dem Frühstück warten zu lassen.

Begnung
Biberspuren

Zufrieden zurück

Die Vorfreude auf eine warme Dusche mit anschließendem Frühstück machte sich langsam bemerkbar. Bevor ich die die ersten Häuser der Stadt erreichte, versuchte ich ein letztes Mal, die mir jetzt nicht mehr ganz so fremde Landschaft ein letztes Mal einzuprägen. Die letzten Meter legte ich auf Asphalt zurück, der sich mittlerweile durch die Sonnenstrahlen erwärmt hatte und auf meinen Körper abstrahlte. Ich war zufrieden mit meinem morgendlichen Lauferlebnis. Ich hatte den Tag mit kreislaufanregender Bewegung in der Natur begonnen, und es erschlossen sich mir vielschichtige Eindrücke. Der Fuchs, der Bach, die Weite der Täler, die Kapelle am Hügel, die Gerüche und Geräusche, sowie die Topografie meiner Laufstrecke zogen nochmals durch mein Bewusstsein. Völlige Zufriedenheit nahm von mir Besitz, und ich wusste in dem Moment, dass ich auch auf zukünftigen Reisen, die dortige Umgebung laufend erkunden werde.

Nur noch wenige Meter

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